Balder, der Mittsommerkey, ist seit zehn Jahren im Palast der Jahre. Sein Schlüssel ist seit einem Jahr verschollen und langsam wird Balder unruhig. Doch dann erscheint sein neuer Holder in der Mittsommernacht auf sehr ungewöhnliche Weise.
Balder war früh aufgestanden und hatte sich den Sonnenaufgang angesehen. Es war der längste Tag des Jahres. So lange wie heute würde die Sonne ein ganzes Jahr lang nicht scheinen. Mittsommer.
Innerlich frohlockte Balder darüber, dass er dieses Jahr keinen Holder hatte, der ihm das Fest verderben konnte. In den annähernd zehn Jahren, die er im Palast lebte, war es zu oft geschehen, dass er nicht dazu gekommen war zu feiern. Heute jedoch war er allein und freute sich über die Stille in seinen Räumen.
Nach dem Sonnenaufgang verließ er das Schlafzimmer und ging in den Wintergarten, um seine Pflanzen zu gießen und eines der Fenster zu öffnen. Angesichts der Höhe, in welcher sich sein Zimmer befand, musste sein Garten überdacht sein, um den Gewächsen Schutz zu bieten. Er selbst vermisste die frische Luft oft. Heute jedoch würde er sich nicht mit dem Licht zufrieden geben, das durch die Fenster in seinen goldenen Käfig schien, heute würde er unter der Sonne stehen, ohne etwas zwischen ihr und ihm. Heute war sein Tag, sein Fest. Mittsommer, der längste Tag, die kürzeste Nacht, der Tag, an dem der Sommer endete und der Winter begann. Das Ende eines Zyklus' und der Beginn eines neuen. Balder, der Key des Mittsommerzimmers, lächelte.
Mit bloßen Füßen verließ er den weißen Marmor des Wintergartens und kehrte zurück auf das warme Parkett seiner Zimmerflucht. Die cremefarbenen Vorhänge, die den Wintergarten vom Arbeitszimmer trennten, bewegten sich leicht im Wind, als er hindurchging. Der Raum war nicht mehr so kahl wie zu Beginn seines Exils im Palast der Jahre. Die Regale und Schränke waren angefüllt mit Dingen, die er geschenkt bekommen oder selbst angefertigt hatte. Töpferwaren, Schnitzereien und geflochtene Körbe standen darin. Viele waren mit anderen Arbeiten angefüllt. Seit neuestem beschäftigte er sich mit dem Herstellen von Schmuck. Irgendwann würde er auch davon genug haben und es aufgeben, so wie das Töpfern und Flechten und die andere Tätigkeiten, denen er im Laufe der Zeit nachgegangen war. Es ging ihm ja auch nicht um die Dinge, die er herstellte, es ging nur darum die Hände beschäftigt zu halten, während der Geist auf Reisen war.
Balder ging zu der Ecke verspielt, mit dem Schreibtisch, vor langer Zeit hatte er ihn zu einer Werkbank umfunktioniert. Er betrachtete kurz den Schmuck, den er für das heutige Fest angefertigt hatte. Es waren einfache Dinge, zwei Kränze aus gelben, getrockneten Eichenlaub des Vorjahrs und einige kleine Sonnen aus Eicheln, verbunden mit goldenem Draht. Er nahm sie auf und fing an sie an den Wänden zu verteilen. Bald darauf waren die kleinen Kunstwerke an zuvor angebrachten Nägeln an den Wänden aufgehängt und ein glückliches Lächeln zeigte sich auf Balders Gesicht. Er ging weiter in das Schlafzimmer, dessen einziges Möbelstück das riesige niedrige Bett in der Mitte des Raumes war. Die Wände waren blank. Der Boden war aus dem gleichen Parkett wie im anderen Zimmer, doch hier lagen weiche weiße Schafsfelle aus. Auch hier brachte der Mann Eichenlaubkränze und Eichelsonnen an. Danach blickte er sich zufrieden um und genoss das einfallende Licht aus den zwei Fensterfronten. Ja, so gefiel es ihm.
Er betrat das schlichte Badezimmer und nahm ein Bad. Sauber und erfrischt ging er zurück in das Schlafzimmer und von dort aus in seinen begehbaren Wandschrank. Eigentlich war es eher eine Kleiderkammer, aber er hatte sich von seinen Holdern die eher moderne Bezeichnung dafür angewöhnt. Also ein Wandschrank, wenn auch einer, der eigentlich ein kleines Zimmer für sich war. Er wählte weiße Leinenhosen und ein weiches Shirt aus hellbrauner Baumwolle und bürstete sein Haar zurück. Die goldbraunen Locken fielen dem großen Mann weit über die Schulter. Meist band er es zusammen, aber dazu hatte er heute keine Veranlassung. Heute war ein Fest, heute war ein Tag um die Dinge anders anzugehen.
Er ging zurück in das Arbeitszimmer und von dort in die Eingangshalle. Sie war ebenfalls mit Parkett ausgelegt und noch fiel das Licht nicht durch das Buntglasfenster an der Decke. Balder blickte wie jeden Tag hinauf, die Glasstücke waren gelb, golden, rot und in Form einer Sonne geschnitten und zusammengefügt. Zur Mittagszeit sah der Raum einfach unglaublich aus. Jetzt waren nur schwache Spuren dieses Zaubers wahrzunehmen, aber es war zu spüren. Wie immer kam sich Balder seltsam vor, als er diesen Zauber brach und die Sprechanlage benutzte, um seine Mahlzeiten für diesen Tag zu bestellen. Ein einfaches Frühstück, ein einfaches Mittagessen und einfaches Abendbrot, kein Wein, kein Bier. Seine Brüder würden ihn auslachen, könnten sie ihn so sehen. Gleich einem Priester fastete er statt sich zu amüsieren. Bei dieser Erinnerung an seine Familie lächelte er wehmütig. An Tagen wie diesen vermisste er sie mehr als sonst.
Das Frühstück war innerhalb der nächsten Viertelstunde da, ein Diener des Palastes brachte es die letzten Stufen zu ihm hinauf. Früher hatte es länger gedauert, doch auf Drängen der unter ihm lebenden Keys - und vor allem der Holder - war vor vier Jahren ein Fahrstuhl bis zu dem Stockwerk unter ihm gebaut worden. Nun war sein Zimmer das einzige, zu dem man noch über die Treppe gehen musste, die sich außen um den eckigen Turm wand. Allerdings war es nur noch ein Stockwerk und nicht neun. Für die Diener war er froh um diese Neuerung, ihm selbst war es gleich. Er verließ seine Räume niemals. Er hatte hier alles was er brauchte und was er nicht hatte, ließ er sich kommen. Das einzige, was er seit über einem Jahr nicht hatte, war ein Holder. Es war seine längste Zeit ohne Besitzer seit Beginn seiner Zeit im Palast der Jahre. Er war sich nicht sicher, ob er es vermisste. Zwar war es seitdem sehr still geworden in seinem Nest, doch nun musste er auch keine hektischen Menschen mehr ertragen, die auf nichts aus waren, außer das Verlangen ihres Körpers zu stillen.
Balder ging in den Wintergarten und setzte sich unter das offene Fenster auf den Boden. Mit unterschlagenen Beinen aß er sein einfaches Mahl aus Früchten und Brot. Dazu trank er Wasser und genoss die frische Luft. Er dachte über die vergangenen Jahre nach. Bald würde er ein Jahrzehnt hier im Palast weilen, doch es kam ihm so vor, als ob ihn die Schuldeneintreiber erst gestern gefesselt am Palasttor abgeliefert hatten. Anfangs war es für ihn nur ein Spiel gewesen. Die Fragen nach seiner Herkunft und wie er denn hier gelandet sei, hatte er nur mit einem Lachen abgetan. Er hatte erzählt, dass er Wettschulden gehabt hatte, und somit nicht einmal gelogen. Damals war es nicht gut um ihn bestellt gewesen. Trauer und Verzweiflung hatten an ihm genagt wie ein Hund an einem frischen Knochen. Seufzend stand er auf, verdrängte die unangenehmen Erinnerungen und brachte Tablett, Teller und Tasse hinaus in die Eingangshalle. Wenn das Mittagsessen gebracht wurde, konnte der Diener sie mitnehmen.
Kurz kam die Frage in ihm auf, warum man ihn überhaupt noch verköstigte. Er hatte keine Holder mehr, also brachte er dem Herrn des Palastes kein Geld ein. Aber er wusste von anderen Keys, die viel länger keinen Besitzer gehabt hatten. Sein Schlüssel war wohl auf Wanderschaft, verkauft, gestohlen, verspielt,... egal. Er fürchtete seine Holder nicht. Gelegentlich hatte er unangenehme und sehr gewalttätige Besitzer gehabt. Er hatte sie schlicht ignoriert. Wurden sie gewaltsam, wusste er sich zu wehren. Nicht umsonst hatte er in seiner Jugend mit seinen Brüdern gerungen. An Kraft war ihm bislang nur sein älterer Bruder überlegen gewesen.
Balder dachte zurück an seine erste Begegnung mit dem Herrn des Palastes und schüttelte nachdenklich den Kopf. Seiner Ansicht nach hatte der Mann das Gesicht, oder er selbst war völlig durchschaubar. In den ersten Jahren seiner ... Gefangenschaft hatte er ihm nur jene als Holder gegeben, die des Trostes bedurften, die mit sich selbst uneins waren. Sie zu trösten, für sie da zu sein und wenn es nur für zwei Tage war, hatte ihm geholfen seine eigenen Wunden zu heilen.
Dann war Alec gekommen. Alec mit den blauen Augen und den schwarzen kurzen Haaren. Alec, der nicht reden wollte, aber mit dem er einmal drei Tage hintereinander im Bett verbracht hatte.
Er war ein Geburtstagsgeschenk für ihn gewesen, ein exquisites Spielzeug. Der junge Mann hatte ihn sehr verwirrt. Er hatte, so schien es, keinen Trost gebraucht. Hatte nur Spaß gewollt und eine Mikrowelle und einen Fernseher. Seine Wünsche waren ihm erfüllt worden und zwei Jahre lang hatte Musik, die Balder eher Krach genannt hätte, für die Alec aber abgöttisch schwärmte, den Turm erfüllt. Zwei Jahre feiern, es hatte ihn an die alten Zeiten seiner Jugend erinnert, an die Festgelage mit seinen Brüdern. Doch Alecs Zeit endete ebenso wie Balders Jugend mit dem Tod. Er hatte sich eine "Überdosis" verpasst, hatte ihm die Freundin erzählt, die kurz danach bei ihm aufgetaucht war. Aus dem Fernseher wusste Balder, was damit gemeint war. Dann war sie wieder gegangen, zusammen mit dem Schlüssel, und der war seitdem nicht mehr gesehen.
Fast ein Jahr war jetzt vergangen und Fernseher, Mikrowelle und der ganze andere technische Schnickschnack, den Alec mitgebracht hatte, waren wieder verschwunden. Trotzdem glaubte Balder manchmal die Stimme des jungen Mannes zu hören, wie er ihn rief, um ihn etwas in dem Fernseher zu zeigen. Ein Jahr der Trauer war vorbei und nun war es an der Zeit einen Neuanfang zu beginnen.
Bis zum Mittag verbrachte Balder seine Zeit in stiller Gedankenverlorenheit im Wintergarten. Er lauschte den Vögeln, die sich auf dem Dach des Turms niedergelassen hatten und sangen. Er lauschte dem Wind, der durch das offene Fenster die Zweige seiner Pflanzen zum Rauschen brachte, und er lauschte dem Klopfen seines Herzens.
Das Mittagessen war eine cremige Gemüsesuppe, die er erst aß, als sie schon kalt war. Am Nachmittag fing er an, die Vorbereitungen für den Abend zu treffen. Er war sich nicht ganz sicher, ob das, was er tat, im Palast erlaubt war. Er hatte beschlossen sein kleines Fest auf dem Dach des Turms zu feiern. Zwar verließ er dabei seine Zimmerflucht, doch da er nicht vorhatte zu fliehen oder sich selbst zu schaden, konnte er nichts Verwerfliches in seinem Tun erkennen. Trotzdem hielt er es für besser, wenn niemand von den Dienern seine Vorbereitungen mitbekam. So war er pünktlich zu dem frühen Abendessen, das er bestellt hatte und nahm es wie ein braver Key in Empfang.
Nach dem Essen stellte er das Geschirr in die Eingangshalle, löschte alle Lichter, so dass man annehmen würde, er schliefe und kletterte über das Fenster des Wintergartens hinauf auf das Dach. Anfangs hatte er in der ständigen Furcht gelebt, dass die Holzstreben, über die er dabei klettern musste, unter ihm zusammenbrechen würden, aber mittlerweile hatte er Vertrauen in die fragil anmutende, aber sehr standhafte Konstruktion. Das Dach war größtenteils eine ebene Fläche, jedenfalls bis auf das Oberlicht der Eingangshalle, das sich leicht wölbte. Der Wind zauste in Balders langem goldbraunem Haar und die Sonne verzauberte die goldenen und roten Strähnen darin, so dass sie hell leuchteten und glitzerten. In die Mitte der freien Fläche hatte er eine Feuerschale gestellt, in der nun schmale Scheite aus Eichenholz lagen. Daneben war noch mehr Holz aufgestapelt. Balder setzte sich davor und zündete das Feuer an. Aufgrund des Windes brauchte er einige Streichhölzer dafür und er war froh über das Lampenöl, was er zur Hilfe genommen hatte. Er ließ sich von der Verzögerung nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich brannte es, erst flackernd und dann mit starker Flamme. Ein Mittsommerfeuer. Es war nichts im Vergleich zu den Feuern, die er in seiner Kindheit gesehen hatte, doch es war das erste, das er sah, seit er im Palast lebte und um so kostbarer für ihn.
Eine Weile sah er nur in die Flammen und hing seinen Erinnerungen nach. Dann straffte er seinen Körper und nahm ein Bündel, das neben dem Holz lag auf. Es war aus weichem hellem Leder und als er es aufrollte, sah man ein Foto darin.
"Heute will ich Abschied nehmen.", flüsterte er in den Wind und nahm das Foto auf. "Vom Sommer und dem Licht, das vom heutigen Tage an abnehmen wird, bis der Winter wieder vom Sommer abgelöst wird, und von einem Menschen, den ich ... geliebt habe." Balder hielt das Foto näher ans Feuer und betrachtete noch einmal das Gesicht. "Ich nehme Abschied von Alec, einem halbwüchsigen Narren, der mich dazu brachte, mich wieder jung zu fühlen."
Das Foto landete im Feuer und der Mann auf dem Dach hatte das Gefühl, dass er eine schwere Last abgelegt hatte. Er atmete ein paar Mal tief durch und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Ruhe überkam ihn, wo zuvor Aufregung und Angst in ihm geherrscht hatten. Das Feuer brannte weiter. Wenn sein Brennstoff ausging, legte Balder ein Stück Holz nach. Später, als die Tränen versiegt waren, begann er in Erinnerung an seine Kindheit im Dämmerlicht zu singen. Die Musik erwärmte sein Herz, so wie das Feuer seinen Körper wärmte, so klein es auch war.
Als die Sonne schon lange untergegangen war und die Sterne über ihm glitzerten, geschah es. Die meisten Menschen hätte es dazu gebracht entsetzt und verwirrt zu sein. Balder erstaunte es nur. Das Feuer erlosch abrupt, anscheinend zu Gunsten einer anderen Lichtquelle. Das Buntglasfenster, das normalerweise von oben durchstrahlt wurde, leuchtete für einen Moment von innen heraus. Rasch stand Balder auf und näherte sich verwundert dem verblassenden Schein. Ein Seitenblick zeigte ihm, dass sämtliche Lichter des Palastes verloschen waren. Was konnte das sein? Gerade als er am Oberlicht angekommen war und hinuntersehen wollte, verlosch das Licht. Verwirrt erhob er sich und bemerkte, dass nach und nach die Lichter im anderen Flügel des Palastes wieder angingen. Ohne weiter nachzudenken, was geschehen sein könnte, eilte er zum Wintergarten und kletterte in der Dunkelheit zurück in seine Räume. Mit schnellen Schritten lief er zur Eingangshalle, riss den Vorhang fort, der sie von seinem Arbeitszimmer trennte und betätigte wie immer den Lichtschalter. Als das Licht tatsächlich anging, musste er aufgrund der plötzlichen Helligkeit kurz blinzeln.
Dann erst erschrak Balder. Die Flügeltür war offen und auf der Schwelle lag die nackte Gestalt eines Mannes. Er war offensichtlich bewusstlos, vielleicht sogar tot. Balder rannte zum ihm und ging neben ihm in die Knie. Er fühlte den Puls und fand einen kräftigen Schlag, der verkündete, dass der Mann lebte. Er war völlig verschmutzt und überall waren Abschürfungen und Kratzer. Balder drehte ihn auf den Rücken und zuckte beim Anblick des Gesichtes zurück. Eine Art ... Verätzung verunstaltete es und rote nässende Wunden waren zu sehen. Von den Zügen konnte man kaum etwas erkennen. Bei der Bewegung hatte sich die Hand des Mannes geöffnet und eine goldene Kugel fiel mit einem metallischen "Tock" auf den Boden. Balder starrte einen kurzen Augenblick lang darauf. Sein Schlüssel!
Ein schwacher warmer Atemzug, der seine Hand streifte, brachte ihn wieder in die Gegenwart. Er zwang sich schnell zu handeln. Der Mann, sein Holder, war in schlechter Verfassung aber nicht in Lebensgefahr. Balder hob ihn hoch, nicht erstaunt darüber, dass er kaum etwas wog, so abgemagert wie er war, und trug ihn durch das Arbeitszimmer in sein Schlafzimmer, wo er ihn auf dem Bett ablegte. Er deckte ihn zu und eilte zurück in die Eingangshalle, um die Sprechanlage zu benutzen. Bis sich jemand meldete, schien es ewig zu dauern. Der Stromausfall hatte für etwas Chaos gesorgt. Als er endlich jemanden erreichte, sagte er nur knapp, dass er einen Arzt für seinen Holder brauche und dass er ihn schnell brauchte. Die verwunderte Stille am anderen Ende der Leitung bekam er überhaupt nicht mit, da er, ohne auf eine Antwort zu warten, zurück zu dem Verletzten lief.
Er war sehr dünn, fast ausgemergelt und hatte schwarze fettige und verfilzte Haare. Seine Fingernägel waren an mehreren Fingern abgebrochen und überall waren Wunden. Balders Gesicht verzog sich vor Mitleid. Jemand hatte diesen Mann sehr misshandelt. Er entdeckte Druckstellen von Fesseln an den Hand- und Fußgelenken. Vermutlich war er gefangen gehalten worden. Doch wie war er hierher gekommen? Er sah nicht aus, als könne er auch nur einen Schritt tun, geschweige denn die Treppe hinauf kommen. Außerdem tränten seine Augen furchtbar, vermutlich war etwas von der Flüssigkeit, die sein Gesicht so verschandelt hatte, in die Augen gekommen. Auch hätte niemand einen nackten und offensichtlich ärztlicher Hilfe bedürfenden Mann durch den Palast geführt. Balder stand vor einem Rätsel.
Um sich nützlich zu machen ging er ins Badezimmer, holte eine Schüssel aus dem Schrank und füllte sie mit warmem Wasser. Dann nahm er einen Waschlappen und Handtuch und brachte das alles ins Schlafzimmer. Er deckte den Mann erneut auf und fing vorsichtig an ihn zu säubern. Er begann mit den Füßen, entfernte die Dreckflecken auf den Fußballen und rieb die Zehen ab. Dann arbeitete er sich weiter vor. Als er an der Kniekehle angekommen war, musste er zurück ins Bad gehen und das Wasser wechseln. Der Vorgang wiederholte sich. Säubern und Wasser wechseln. Nach etwa einer dreiviertel Stunde hatte er den Mann sauber, bis auf die Haare jedenfalls. Angespannt zupfte er daran. Das würde er komplett abschneiden müssen. So etwas Verfilztes hatte er noch nie auf dem Kopf eines Menschen gesehen. Für einen Moment überlegte er es sofort zu tun, dann merkte er wie schwachsinnig dieser Gedanke war, es stand nicht mal fest, ob der Fremde gesund werden konnte und er machte sich Gedanken um kosmetische Feinheiten. Er war schon zu lange hier.
Ungewöhnlich unruhig stand Balder auf und ging durch das Arbeitszimmer in die Empfangshalle. Dort entdeckte er den Schlüssel, wie in Trance ging er ihn aufheben. Er hatte ihn lange nicht gesehen und noch länger nicht in der Hand gehabt. Er sah nicht anders aus als früher. Eine kleine Kugel aus Gold, in einer Fassung aus farblosem Kristall, der die Kugel wie ein Gitternetz umgab. Vielleicht war das Leuchten, das er durch das Oberlicht gesehen hatte, von der Kugel gekommen... Er wusste, dass sein Schlüssel schon Besitzer mit einem schwachen Leuchten zu seinem Zimmer führte. Aber die Rätsel mit dem Stromausfall und dem Zustand seines Holders waren dadurch nicht erklärt. Bevor er weiter spekulieren konnte, klopfte es kurz an seiner Tür, dann wurde sie sogleich aufgerissen. Blitzende Augen begegneten den seinen und Balder steckte den Schlüssel unauffällig in seine Hosentasche.
Jenen Mann kannte er nur flüchtig, es war ein Diener des Palastherrn. Er kam sofort zur Sache. "Was ist hier geschehen?", fragte er, seine Stimme durchdrang grollend die leere Eingangshalle. Balder sah ihn ohne äußerliche Regung an und zuckte mit den Schultern. "Die Lichter gingen aus und ich ging in die Eingangshalle. Ein Mann lag auf der Türschwelle, er hat meinen Schlüssel und er ist verletzt. Ich brachte ihn ins Schlafzimmer."
Zu Balders Erleichterung trat hinter dem Diener eine große Frau mit blond gefärbten Haaren ein, sie trug eine Sporttasche bei sich und drängelte sich an dem Mann vorbei. Balder und die Frau tauschten einen Blick und sie nickte. Ohne auf den Diener zu achten trat sie vor, ließ sich von Balder ins Schlafzimmer führen. Offen verärgert, aber ohne zu widersprechen folgte der Palastdiener. Die Untersuchung war kurz. Kaum hatte die Frau das Gesicht angesehen, rief sie auch schon nach Wasser und begann mit Spülungen der Augen und des Gesichtes. Balder half ihr dabei. Ihre abschließende Diagnose lautete, dass der Holder unterernährt war, offensichtlich misshandelt wurde und die Verätzungen im Gesicht wahrscheinlich von einer schwachen Säure stammten. Als sie sich daran machte die kleineren Wunden zu versorgen, befahl der Diener des Palastherrn Balder mit einem Nicken nach draußen.
"Er hatte nichts weiter an?", kam der Mann sofort zur Sache. Balder schüttelte nur den Kopf. "Niemand hat ihn eingelassen, das weiß ich, ich hatte heute Dienst. Das ist sehr verwirrend." Er sah zu Balder. Dieser sagte nichts zu dem Ganzen und wartete auf eine Entscheidung, die gleich kam: "Nun, er hat den Schlüssel, also ist er dein neuer Holder. Du wirst dich um ihn kümmern. Vielleicht erfahren wir mehr über diese seltsamen Ereignisse, wenn er gesund ist." Wieder nickte der Key. Ihm war das momentan egal. Die ungewöhnliche Ankunft seines Holders war zwar ein nettes kleines Rätsel für den kommende Winter, doch vorerst ging es darum ihn gesund zu bekommen. Balder ging zurück in sein Schlafzimmer. Die Ärztin hatte derweil die Wunden im Gesicht mit Gaze abgedeckt. Seine Augen hatte sie mit Kompressen bedeckt und wies ihn nun an, den Kopf des Mannes zu halten, währen sie einen Verband über die Augen wickelte.
"Wichtig ist, dass er viel Flüssigkeit zu sich nimmt und sich ausruht. Er wird nicht die Kraft haben, in nächster Zeit von alleine aufzustehen und essen wird auch noch dauern." Sie selbst erhob sich nun und packte ihre Utensilien zusammen. "Ich komme morgen früh wieder und sehe nach ihm." Zusammen mit dem Diener verließ die Ärztin Balders Räume und ließen diesen mit sich widerstreitenden Gefühlen zurück. Er mochte es nicht, wenn so viele Menschen in seinen Zimmern herumliefen. Ein Holder, das war in Ordnung. Gelegentlich ein Diener, das ging auch noch, aber eine Ärztin, die regelmäßig vorbeischauen würde und misstrauische Diener des Palastherren... Seufzend setzte er sich neben den Verletzten auf das Bett.
"Da hast du mir aber was eingebrockt." flüsterte er leise und erschrak darüber. Sonst redete er nie mit sich selbst. Vermutlich war ein ganzes Jahr Alleinsein doch etwas zuviel für ihn gewesen. Morgen würde er die Reste des Feuers vom Dach wegräumen müssen und das mit der Gefahr, dass jeden Moment jemand kommen konnte. Nun, jetzt war das erstmal egal. Jetzt musste er sich um den Mann kümmern. Nachdenklich legte er sich neben ihn aufs Bett und beobachtete dessen unruhigen Schlaf, bis er selbst einschlief.
01. Teil
Die endlose Kälte war einer angenehmen Wärme gewichen. Sein Körper schmerzte noch immer, aber nun war es der Schmerz der Heilung und nicht der Schmerz immer wiederkehrender Verletzungen. Er war sich im ersten Moment nicht ganz klar, wodurch die Veränderung ausgelöst worden war. Dann erkannte er es. Die Magie, er konnte auf seine Magie zurückgreifen. Die Fesseln, die ihm angelegt worden waren, waren fort. Die Macht strömte ungewohnt und noch stockend durch seinen Körper und heilte ihn. Er fühlte sich fast ... wohl. Jemand strich über seine Stirn und er konnte hören, wie eine Frau sprach. "Die Verätzungen im Gesicht sind schmerzhaft, vermutlich bleiben ein paar hässliche Narben, aber dagegen kann man nichts machen. Halten Sie seinen Kopf hoch!"
Er konnte nichts sehen, aber er spürte deutlich wie jemand seinen Oberkörper anhob und er gegen einen warmen Körper gezogen wurde. Kühle schlanke Hände berührten sein Gesicht und im nächsten Moment war da scharfer Schmerz, der ihm die Tränen in die Augen trieb. Er versuchte sich zu wehren und wollte die Hände abwehrend heben. Doch statt den eisernen Fesseln von früher hielten ihn warme große Hände fest, umklammerten seinen Oberkörper und streichelten besänftigend über seine bloßen Arme. "Sch...", hörte er eine Männerstimme an seinem Ohr. Er verkrampfte sich noch mehr, er wollte nicht festgehalten werden. Mit aller Kraft versuchte er sich zu befreien und tatsächlich gelang es ihm, wild schlug er um sich und die ihn fesselnden Arme verschwanden.
"Ganz ruhig!" hörte er die Frau sagen. "Sie sind in Sicherheit! Niemand wird Ihnen etwas tun!" Er lag noch immer, vermutlich auf einem Bett und langsam fing sein Kopf an wieder zu arbeiten. Mit der wenigen Kraft, die ihm nach dem Ausbruch übrig geblieben war, setzte er sich auf. Seine Glieder zitterten spürbar. Warum konnte er nichts sehen? Er tastete nach seinem Gesicht und ertastete einen Verband über seinen Augen. "Sie sollten ihn dranlassen." Wieder sprach die Frau. "Sie wurden ... verletzt. In Ihrem Gesicht sind Verätzungen und Ihre Augen wurden auch in Mitleidenschaft gezogen. Sie brauchen Ruhe." Hätte er noch Kraft gehabt, er hätte gelacht. Als wenn er nicht wüsste, dass er verletzt war! Die Frage war vielmehr, warum er jetzt hier war und wo "hier" war. Wie war er entkommen? Eigentlich war es unmöglich. Wer oder was könnte die Kraft besessen haben ihn zu befreien? "Wo bin ich?", brachte er unter heftigem Atemholen hervor. Eine Pause entstand und schließlich antwortete die Frau. "Im Palast der Jahre. Der Palast ist ein ... ähm... Bordell, Sie hatten einen Schlüssel bei sich, der Sie als Besitzer des Mittsommerkeys und des dazugehörigen Zimmers ausweist."
Ein Bordell? Ein Schlüssel? Er konnte sich an keinen Schlüssel erinnern, noch hatte er jemals von einem Palast der Jahre gehört. Die Stimme der Frau unterbrach seinen Gedankengang. "Darf ich Sie weiter versorgen? Ich will überprüfen, ob sich die anderen Wunden entzündet haben."
Verbände und Wunden, nun er fühlte sich wirklich nicht gut. Doch die Frage, ob er es dieser Frau gestatten sollte ihn zu versorgen, war zuviel für ihn. Woher sollte er wissen, ob er ihr trauen konnte? Ihr oder dem Mann, der bei ihr war. Vielleicht war das nur ein Spiel, vielleicht träumte er nur. Er zitterte und Gänsehaut überzog seinen nackten Körper. Sein Misstrauen rang mit seinem Bedürfnis nach Ruhe, als sich plötzlich eine federleichte Decke über seine Schultern legte, er zuckte zusammen in Erwartung einer Berührung, die nicht folgte. Das hatte der Mann gemacht, da war er sich sicher. Die Frau stand noch immer etwas abseits von ihm, er konnte ihr schniefendes Atmen hören.
"Also gut", sagte er nachgebend und sank langsam auf dem Bett zusammen. Er zitterte noch immer, konnte aber wenig gegen dieses Zeichen der Schwäche tun. Es war einfach zu kalt. Er hörte, wie die Frau zu ihm herüber kam und sich auf das Bett setzte. Sie bat ihn, sich auf den Rücken zu drehen, was er fröstelnd tat. Dabei lauschte er die ganze Zeit nach dem Mann. Wo war der Kerl? Er konnte ihn nicht hören. Dann nahm er plötzlich ein neues Geräusch wahr. Ein schwaches Quietschen und etwas was sich anhörte, als würde etwas gedreht. Dann folgte ein leises Rauschen, wie von fließendem Wasser hinter Metall. Die Heizung, großartige Idee! Die kalten Hände der Frau berührten erneut sein Gesicht und die Verbände auf der Haut wurden gewechselt
"Gut", sagte sie danach zu ihm. "Keine Entzündungen. Ich will noch den Verband über den Augen erneuern. Sie werden sich aufsetzten müssen und dürfen Ihre Augen auf keinen Fall bewegen während dessen." Sie wartete, anscheinend auf seine Entscheidung. Doch die fiel ihm schwer. Schließlich siegte die Erschöpfung. Er war zu schwach, um sich gegen irgendetwas zu wehren. Ihre Frage war reine Höflichkeit. "In Ordnung", sagte er nachgebend. "Ich weiß aber nicht, ob ich die Kraft habe ..." "Ach so, ja natürlich", sagte sie und wandte sich dann anscheinend an den Mann, denn ihre Stimme drang in eine andere Richtung. "Balder, kommen Sie rüber und stützen Sie unseren Patienten. Wie ist eigentlich Ihr Name?" Der letzte Satz war wohl an ihn gerichtet. Etwas überrannt schwieg er sie erstmal an. Der Mann hieß Balder. Der Name hatte kurz Aufregung in ihm ausgelöst. "Ich...", hob er an und hielt dann erschrocken inne. Er hätte fast seinen richtigen Namen verraten. Stattdessen antwortete er schließlich nach einer kurzen Pause: "Soren."
"Gut, Soren also. Bitte aufsetzen.", sie klang kalt, ohne Regung und er nahm mit einem Mal deutlich wahr, dass es sie nur auf der rein technischen Ebene interessierte, was aus ihm wurde. Ein Gefühl der Verärgerung breitete sich in ihm aus. Er versuchte sich aufzusetzen und scheiterte fast an der Erschöpfung. Er war schwächer als er dachte. Plötzlich stützte ihn jemand. Balder vermutlich. Soren erstarrte panisch und ohne nachzudenken griff er mit seinen Gedanken hinaus nach dem anderen Mann. Flüchtig berührte er den Geist des anderen und entspannte sich dann leicht. Balder war ein Mensch, gut.
Beim letzten Mal hatte Balder ihn festgehalten, diesmal zog er ihn nur hoch und bettete ihn an seinen Oberkörper. Soren unterdrückte das aufsteigende Bedürfnis, sich an ihn zu schmiegen. Er war so warm und ihm war so kalt. Eine der großen Hände zog die Decke höher, die ihn bedeckte und dann fummelte die Frau an dem Verband um seine Augen herum. Panik stieg ihn ihm auf und er verkrampfte sich. Dann schalt er sich einen Narren und zwang sich zur Entspannung.
Als sie schließlich fertig war, wollte er nur noch in sich zusammensinken. Der Mann, Balder, verflucht, über den Namen würde er noch einige Zeit stolpern, half ihm dabei. Er drückte ihn regelrecht in das Bett und deckte ihn zu. Soren döste fast sofort ein und bekam nicht einmal mehr mit, wie die Frau ging.
Er erwachte mit wahnsinnigem Durst und einem leichten Druck auf der Blase. Er fragte sich, wie das sein konnte, er konnte sich nicht einmal daran erinnern, wann er zuletzt etwas getrunken hatte. Vorsichtig fuhr er mit der Hand an sein Gesicht und fand wie erwartet die Verbände vor. Er drückte etwas fester, um ein Gespür für die Tiefe der Verätzungen zu bekommen und ignorierte den sofort aufsteigenden Schmerz. Es tat verdammt weh, aber sie waren nicht wirklich schlimm. Sie würden heilen und er würde sich etwas ausdenken müssen, damit die Ärztin sich nicht über die Geschwindigkeit der Heilung wunderte. Er lauschte in die Dunkelheit und registrierte ein regelmäßiges Atmen unweit neben ihm. Der Kerl musste neben ihm liegen, vorsichtig streckte er seine Hand aus und spürte die Wärme des anderen Körpers. Dann zog er sie rasch zurück und runzelte die Stirn, was zu Schmerzen führte, er hatte die Wunden vergessen.
Er versuchte sich daran zu erinnern, was er gesagt hatte. Dies war ein Palast, ein Bordell und ihm würde ... aufgrund eines Schlüssels... würde ihm jetzt ein Key und ein Zimmer gehören? Ja, das war es, was die Frau gesagt hatte. Er versuchte die Information zu durchdenken. Das hier war ein Bordell und er war irgendwie in Besitz einer der Huren gekommen, wie auch immer er das geschafft hatte. In seinem Kopf wirbelten ein paar Theorien, aber keine schien ihm wirklich plausibel. Er brauchte ein paar Antworten und eine Toilette oder einen Nachtopf. Eher gereizt tastete er nach seinem Bettgenossen und schubste ihn leicht. Ein leicht erschrockenes Einatmen folgte, dann räusperte sich der Mann und richtete sich den Geräuschen nach auf.
"Brauchst du etwas?", fragte er. "Ja", kam es spürbar gereizt von Soren. "Eine Toilette, was zu trinken und ein paar Antworten. In dieser Reihenfolge, bitte." Sein Gegenüber schwieg und stand dann wortlos auf. Soren durchfuhr plötzlich Angst. Er sollte diesen Mann nicht verärgern, jedenfalls nicht solange er auf ihn angewiesen war. Er verfluchte sich innerlich für seine Gereiztheit und hätte beinahe aufgeschrieen, als ihn plötzlich jemand hochhob. Balder war erschreckend groß und breitschultrig. Er selbst war nicht unbedingt klein, aber als er neben dem Bett aufgestellt wurde, entnahm er dem Winkel von den ihn stützenden Armen, dass sein Gegenüber noch ein Stück größer sein musste.
Mehr tragend als stützend wurde er ins Bad verfrachtet. Ein kühler Lufthauch machte ihm bewusst, dass er offensichtlich nackt war, vorher hatte er das noch gar nicht mitbekommen. Da es für Anfälle von Scham zu spät war, er sich sowieso nicht viel aus dergleichen machte und er für Diskussionen zu müde war, sprach er es nicht an. Er wurde plötzlich an Balder gepresst und registrierte wieder mal die herrliche Wärme dieses Mannes. Am liebsten hätte er sich an ihn geschmiegt..., rasch unterdrückte er dieses Verlangen. Balder bewegte sich, ein Klappen ertönte und Soren wurde vorsichtig auf dem Klosett abgesetzt. "Die Toilettenspülung ist hier", sagte Balder plötzlich und führte Sorens Hand hinter ihn Ein riesiger Kippschalter war in seinem Rücken an der Wand angebracht. "Ruf mich, wenn du fertig bist", murmelte Balder und ging lautlos fort. Vermutlich trug der Mann keine Schuhe.
Soren lauschte nach Balder und verfluchte dessen Fähigkeit, sich geräuschlos fortzubewegen. Ihm kam plötzlich der Gedanke, dass Balder vielleicht in der Tür stand und ihm zusah. Dann ärgerte er sich über diese Idee, aber sie beschäftigte ihn weiter. Natürlich war es ein blöder Einfall, aber dank ihm brauchte er gut zehn Minuten, bis er Balder zurückrufen konnte. Nachdem er mit Hilfe des großen Mannes seine Hände gewaschen hatte und wieder im Bett lag, war er völlig fertig. Keuchend holte er Atem und zerrte die Decke wieder über sich. "Wasser?", fragte Balder und er nickte kraftlos. Mit der Hilfe Balders richtete er sich auf und ihm wurde ein Becher mit Wasser gereicht. Mühsam trank er und sank wieder ins Bett. Es kam ihm so vor, als bräuchte er mindestens zehn Minuten, um wieder einen regelmäßigen Herzschlag zu haben. Balder saß neben ihm und wartete. Ach ja, er hatte Fragen stellen wollen. Nach kurzem Grübeln fiel ihm auch wieder ein was.
"Ich hatte einen 'Schlüssel' bei mir?" Er konnte sich nicht daran erinnern, etwas Schlüsselähnliches bei sich gehabt zu haben. "Ja, den Mittsommerschlüssel." Balder ergriff Sorens Hand und legte etwas hinein. Es war rund, mit unregelmäßiger Oberflächenstruktur und hatte einen Anhänger. "Hm", der Verletzte tastete den Gegenstand sorgfältig ab. "Ich kann mich nicht daran erinnern, so etwas zu besitzen. Hatte ich sonst etwas bei mir?" "Nein, nichts", sagte Balder zögernd. "Hm", Soren überlegte, was er als nächstes fragen sollte. Bei der Frage, wie er hierher gekommen war, konnte ihm Balder wohl nicht helfen. Also zum nächsten Problem. "Und diese kleine Kugel macht mich zum Besitzer des Mittsommerkeys?" "Ja." Anscheinend war Balder nicht sonderlich gesprächig. "Was beinhaltet das?" Das Schweigen von Seiten seines Gegenübers schien ewig zu dauern. "Das beinhaltet diese Zimmerflucht und mich." Sorens Stirnmuskel zuckten und eine kleine Welle der Schmerzen durchzog sein Gesicht. "Du bist die Hure", erkannte er. "Ich bin der Key", widersprach Balder. "Was ist da der Unterschied?" Soren klang spöttisch. Er hörte, wie Balder aufstand und wieder war da diese unterdrückte Angst allein gelassen zu werden. "Die Qualität und der Preis", erklärte Balder, Alec wiederholend und ging aus dem Raum.
Hätte er sehen können, Soren hätte ihm verwirrt nachgeschaut. So musste er sich damit begnügen, abschätzig die Luft zwischen den Zähnen auszuatmen. Die Qualität und der Preis? Na, der Kerl war ja von sich überzeugt. Er hatte immer noch Durst. War der Becher schon leer gewesen? Er legte den komischen Anhänger weg, ließ ihn achtlos ins Bett fallen und hängte sich über den Bettrand. Er tastete das darunter liegende Parkett ab. Irgendwo hierhin hatte Balder ihn gestellt, da war er sich sicher. Dann endlich erwischte er etwas, was sich nach Keramik anfühlte und stieß es prompt um. Wasser floss über den Boden. Ein recht ungehobelter Fluch entwischte ihm und er blieb völlig fertig und frustriert so liegen, wie er war. Mittlerweile war es wärmer im Zimmer. Die Heizung brodelte leise vor sich hin.
Ein Windhauch schien durch das Zimmer zu streifen und kündigte Bewegung an. Diesmal war Soren nicht überrascht, als der Becher aufgehoben wurde. Ganz so lautlos war der Key also doch nicht. Vermutlich hatte es nur an seiner Erschöpfung gelegen, dass er ihn erst nicht gehört hatte. Allein bei dem Gedanken, wie kaputt er war, musste er gähnen. Träge rollte er sich wieder ganz ins Bett und auf den Rücken. Dann vernahm er sehr leise Schritte auf dem Boden und Balder setzte sich zu ihm aufs Bett, die Matratze sank ein Stück nach unten. "Noch Durst?", fragte er, irgendwie klang er verlegen. "Hm", antwortete Soren nur und hielt seine Hand hin. Der Becher wurde hineingedrückt und er trank. Danach sank er erfrischt wieder in die Kissen und murmelte: "Ich schlafe ein bisschen." Statt einer Antwort wurde die Decke über ihn gezogen.
Soren schlief auch die nächsten 16 Stunden durch. Balder beobachtete ihn halb neugierig und halb auf der Lauer. Da der andere in seiner Blindheit hilflos war, hatte er beschlossen im Schlafzimmer zu bleiben für den Fall, dass er aufwachen würde und etwas brauchte. Es war seltsam so achtsam sein zu müssen. Er kam sich ein bisschen so vor, als müsse er auf ein Kind aufpassen. Na ja, ein 1,95 m großes Kind mit verfilzten langen schwarzen Haaren, aber trotzdem irgendwie hilflos.
Er selbst schlief in der folgenden Nacht unruhig. Immer wieder wachte er auf, schaute nach seinem Bettgenossen und döste dann wieder ein. Wie gewöhnlich erwachte er schließlich in der Dämmerung. Nur war er diesmal leicht übermüdet. Er sah sich den Sonnenaufgang vom Bett aus an, duschte und bestellte Frühstück. Als er wieder ins Schlafzimmer kam, war Soren nicht im Bett. Kurz empfand Balder Besorgnis dann hörte er Geräusche aus dem Bad. Erleichtert ging er zur Badtür und klopfte leise an. Gleichzeitig zu seinem Klopfen erklang ein Fluchen auf der anderen Seite der Tür und etwas fiel klappernd zu Boden. Balder musste sich schwer beherrschen, um nicht hinein zu stürmen. Er klopfte erneut. "Alles in Ordnung?", fragte er laut. "Ja", kam es grollend aus dem Bad. "Komm mal rein, ich finde ... was auch immer... nicht wieder." Schmunzelnd öffnete der Key die Tür und entdeckte Soren vor dem Waschbecken kniend. Der Mann hatte sich eine der Decken um die Hüfte geschlungen. Sein eigener Zahnputzbecher und die dazugehörige Bürste lagen auf dem Boden. Balder ging zu dem anderen und hob die Sachen auf, dann half er Soren sich wieder aufzurichten. "Danke", murmelte dieser und griff eilends nach der Decke, als diese sich während der Bewegung verabschieden wollte. "Ich brauche ein paar Kleidungsstücke." "Ich kümmere mich drum", versprach Balder, während er den Verletzten aus dem Bad führte und ins Bett verfrachtete.
"Willst du versuchen etwas essen?", fragte er dann und betrachtete den sichtlich Erschöpften. "Solange ich nicht kauen muss", kam es kläglich aus den Decken, in die sich Soren eingekuschelt hatte. Balder schüttelte den Kopf und ging erneut in die Eingangshalle. Sein "Gast" war erschöpfter, als er selbst gedacht hatte und tatsächlich war Soren schon wieder eingeschlafen, als er zurück ins Schlafzimmer kam. Er beobachtete ihn ein paar Minuten und ging dann in seinen Wandschrank. Er suchte ein bisschen Unterwäsche, zwei Hosen und zwei Hemden heraus und warf sie zurück im Schlafzimmer auf seine Bettseite. Das Essen kam eine halbe Stunde und eine aufgetrennte Naht später. Er weckte Soren und half ihm die Suppe zu löffeln. Nach der Hälfte des Tellers war er schon wieder fast weggenickt.
Der Nachmittag verging ähnlich. Sorens wache Phasen wurden länger, aber er schlief immer noch, als hätte er Jahre nachzuholen. Balder nähte derweil. Er verengte bei drei Unterhosen den Bund und machte sich dann über die Hosen her. Soren würde furchtbar dünn in seinen Klamotten aussehen, aber zumindest würde ihm nichts herunterrutschen. Bei Gelegenheit musste er für ihn Kleidung bestellen. Als sein Holder am Abend wieder einmal wach war, sprach er das Thema mit dem Haaren an. Soren schwieg kurz und zuckte dann emotionslos mit den Schultern. "Dann schneid sie halt ab."
So teilnahmslos er auch versuchte zu erscheinen, Balder war es ziemlich klar, dass ihn diese Worte große Überwindung gekostet hatten. Beim Schneiden selber zuckte er immer wieder zusammen und rieb nervös seine blau lädierten Handgelenke. Balder fragte sich, was für Fesseln solche Spuren hinterließen und vor allem, für wie lange sie angebracht gewesen waren, um sich so tief ins Fleisch zu drücken. Das Ergebnis des "Haarschnitts" war wenig überzeugend, aber Balder hatte die Hoffnung den Friseur des Palastes noch mal ranzulassen, bevor Soren wieder sehen konnte. Jedenfalls konnte man die Haare jetzt wieder kämmen und vielleicht auch waschen.
"Kann ich mich waschen?", kam Soren ihm zuvor, als er diesen Vorschlag machen wollte. "Ja", antwortete Balder nur und erhob sich schweigend.
Als er Soren Minuten später ins Bad führte, war die Stimmung zwischen den beiden Männern unsicher. Noch während das Wasser lief, löste Balder den Verband über den Augen und ersetzte ihn durch eine dicke Schicht Watte, die er über die Augen klebte. Soren ließ es kommentarlos über sich ergehen und zog sich aus. Balder half ihm ins Wasser. Die Wanne war sehr groß und bis auf eine Kante von zehn Zentimetern direkt in den Boden eingelassen. Balder mochte sie, aber in der Wanne hatte er zu oft Sex gehabt, als das er jetzt nicht daran denken konnte. Der Gedanke war irgendwie dominant in seinem Kopf. Sex. Er hatte wohl zu lange keinen gehabt. Nun, ganz sicher würde es diesmal keinen geben. Schmunzelnd schüttelte der Key den Kopf über seine Gedankengänge und schaute neugierig zu Soren. Der andere Mann genoss die Wärme sichtlich. Einmal war keine Gänsehaut zu sehen, allerdings atmete er schwer.
"Alles in Ordnung?", fragte der Key besorgt. Soren runzelte nur abwehrend die Stirn und gleich darauf war seine Miene schmerzverzerrt. "Wenn ich es endlich schaffen würde, daran zu denken, dass ich meine Gesichtsmuskeln nicht bewegen sollte, ja", lautete die Antwort. Balder musste erneut schmunzeln und griff nach einem Schwamm. Das Baden verlief schweigend. Soren war, wie Balder feststellte, völlig verkrampft und zuckte oft zusammen, wenn er ihn berührte. Er wusch ihn mit dem Schwamm von Kopf bis Fuß, ließ lediglich den Intimbereich aus und suchte angestrengt ein Shampoo aus, während Soren diese Körperpflege selbst übernahm. Dann wusch er das gekürzte Haar. Als Soren schließlich aus der Wanne heraus war, kippte er fast vor Erschöpfung um.
Balder trocknete ihn ab, brachte ihn ins Bett, als er noch ein wenig das Haar rubbelte, um es trocken zu bekommen, meldete sich Soren wieder zu Wort. "Welches Datum haben wir eigentlich?" Nach einem kurzen Zögern sagte es ihm Balder. Soren schwieg ohne jede Regung und der Key glaubte schon, der andere Mann sei eingeschlafen und wollte sich erheben, als Soren plötzlich murmelnd kommentierte: "Wenn wir Hochsommer haben, warum ist mir dann ständig kalt?" Balder musste lachen und erklärte kurz: "Wir sind in einem Turm, neunte Etage." Dann ging er noch immer lächelnd ins Bad und räumte dort auf.
02. Teil
Soren verschlief den halben Tag und wenn er nicht schlief, dann döste er im Bett vor sich hin. Balder brachte ihm mehrmals Essen, meist Suppen und ähnliches und er nahm soviel zu sich, wie er konnte. Viel war es nicht. Sein Körper war nicht mehr an Nahrung gewöhnt. Trinken tat gut, er hätte ständig trinken können. Ihm kam es so vor, als würde jeder Schluck Wasser direkt in seinen Blutkreislauf gelangen und sein Herz schneller schlagen lassen, um ihn von dieser fürchterlichen Trägheit zu befreien. Allerdings wollte er nicht soviel zur Toilette gehen müssen, also unterdrückte er dieses Verlangen.
Balder war ständig in der Nähe, er verschwand nur um Essen zu holen oder selbst ins Bad zu gehen. Der andere Mann nähte, seinen Angaben nach. Viel mehr hatte Soren nicht aus ihm herausbekommen. Sein Key schien nicht sonderlich gesprächig zu sein und Soren hatte nicht die Kraft, um ihn irgendwie zu drängen. Außerdem konnte ihm der Mann seine dringlichsten Fragen sowieso nicht beantworten. Wenn das Datum stimmte, dass er ihm genannt hatte, dann waren viele Jahre vergangen, seit er seine Bestrafung angetreten war. Aber nicht genug Jahre. Nein, niemand konnte ihm innerhalb dieser kurzen Zeit vergeben haben. Unmöglich, also musste ihn jemand heimlich befreit haben. Nur wer? Er konnte sich keinen denken, der das tun würde oder könnte.
Vielleicht war alles nur ein Spiel. Eine neue Form der Bestrafung. Vielleicht sollte er sich nur in Sicherheit wiegen und am Ende dieser kleinen Erholungszeit würde eine noch grausamerere Buße auf ihn warten als die letzte. Er wünschte sich, dass er sich an die Befreiung erinnern könnte. So wie sich seine Handgelenke anfühlten, war es reichlich schmerzhaft gewesen. Frustriert legte er die Stirn in Falten und zischte gleich darauf aufgrund des aufsteigenden Schmerzes. Im gleichen Moment legten sich plötzlich Fingerspitzen auf die kleine unverbundene Hautfläche nah dem Haaransatz und streichelten darüber. Sorens erste Reaktion war es, sich der Berührung zu entziehen, allerdings wollte sein Körper nicht so schnell reagieren und so überrumpelt, wurde er weitergestreichelt. Er wehrte sich nicht. Eigentlich war es ganz angenehm berührt zu werden. Das Streicheln ging zu einem Kraulen seines Haares über. Soren war kurz davor sich zu entspannen, einfach loszulassen, dann erinnerte er sich an die Möglichkeit, dass dies alles hier nur eine Lüge war, dass er vielleicht nur in Sicherheit gewiegt wurde und entzog sich mürrisch dem Kraulen. "Ich bin keine Katze", meinte er nur, drehte sich mit dem Rücken zu Balder und versuchte einzuschlafen. Es dauerte lange, bis es ihm gelang. Nicht zuletzt wegen der Anwesenheit des Mannes in seinem Rücken.
Am Abend kam die Ärztin wieder und zeigte sich erfreut, aber auch leicht überrascht über die kleineren Wunden, die überall auf seinem Körper verteilt waren. Soren fühlte sich wie auf dem Präsentierteller und stellte die Beschaffung von Kleidung ganz auf die Liste seiner Prioritäten. Als hätte Balder seine Gedanken erraten, übergab er ihm nach dem Fortgang der Frau eine Garnitur Kleidung zur Anprobe. Soren wurde schlagartig klar, was Balder genäht hatte, während er neben ihm wachte. Mit etwas Hilfe von Seiten des Keys zog er Unterwäsche, Hose und Hemd an. Der Stoff kratzte auf der Haut und fühlte sich auch sonst reichlich ungewohnt an. Soren zog unbehaglich am Kragen, während Balder an den Ärmeln seines Hemdes herumzupfte.
"Sieht nicht toll aus, oder?", fragte er und ließ sich auf das Bett plumpsen, als der Key mit dem Herumzerren fertig war. "Du bist zu dünn", erklärte Balder lakonisch. "Hmpf", Soren wollte protestieren, allerdings war er schon wieder etwas kurzatmig. "Ich werde den Friseur des Palastes und den Schneider bitten vorbeizuschauen", kam plötzlich ein regelrechter Wortschwall von Balder. "Warum nicht", brachte der Mann auf dem Bett noch hervor, dann zog er sich ganz ins Bett und fing an die Decke über sich zu zerren. Er war müde. Diese Frau regte ihn auf und den Key verstand er nicht. Irgendwie war das alles zu belastend. Er würde morgen darüber nachdenken. Ein leises Seufzen erklang hinter ihm und im nächsten Moment wurde ihm die Decke wieder weggenommen. Bevor er noch richtig realisierte, was geschah, machte sich Balder an seiner Hose zu schaffen. Schlagartig war Soren wieder hellwach. Er schlug die Hände weg. "Finger weg!", fauchte er. "Das kann ich selbst." Hektisch begann er an der Hose zu fummelnd und bekam sie schließlich auf. Im nächsten Moment wurde ihm klar, was für einen lächerlichen Anblick er bieten musste, und er spürte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss. Großartig, es musste ihm schon besser gehen, wenn er verlegen werden konnte. Entschlossen, aber zu seinem Ärger auch heftig zitternd, richtete er sich auf und zog sich die Hose aus, danach hätte er am liebsten eine längere Pause gemacht, stattdessen zog er das Hemd aus und reichte beides in die Richtung in der Balder stand. Sie wurden ihm abgenommen und er spürte mehr, als das er hörte, wie der andere sich im Raum bewegte. Noch immer verlegen kroch Soren wieder ins Bett und zog die Decke über sich.
Das hatte er jetzt aber toll hinbekommen. Er hatte sich lächerlich gemacht, Balder, den Mann, auf den er momentan angewiesen war, verärgert und ... keine Ahnung was noch, aber er kam sich ziemlich bescheuert vor. Der Kerl hatte ihn mehr als einmal nackt gesehen, warum also die Aufregung? Sein Kopf lieferte ihm sofort die Antwort. Balder war eine Hure, oder auch ein Key, wie auch immer. Jedenfalls wenn er ihm die Wahrheit sagte und das alles hier real war. Ein Teil von ihm wollte immer weniger daran glauben. In Sicherheit zu sein, das schien so... unmöglich. Er hatte nicht geglaubt, dass er jemals wieder in Sicherheit sein könnte. Aber vielleicht hatte ihn tatsächlich irgendetwas, irgendjemand gerettet. Vielleicht könnte er gesund werden und dann von hier verschwinden. Er könnte seine Kinder suchen. Soren seufzte traurig. Ja, vielleicht könnte er sie finden und mit ihnen an irgendeinen Ort gehen, wo sie leben konnten. Vielleicht... aber dazu musste er gesund werden. Er musste an Kraft gewinnen und seine Fähigkeiten wieder üben. Er durfte nicht noch einmal versagen. Er musste wachsam sein und mit allem rechnen.
Als Soren am nächsten Morgen frühstückte, konnte Balder ihm ansehen, dass ihm das Essen keine Freude machte, aber im Gegensatz zu den vergangenen Tagen zwang sich der abgemagerte Mann dazu so viel wie möglich zu sich zu nehmen. "Ich will die Ärztin nicht noch mal sehen", erklärte er plötzlich zwischen zwei Bissen. Balder stockte beim Kauen und starrte den Verletzten an. Dann schluckte er den halbgekauten Bissen herunter. "Warum?" Das konnte er doch nicht ernst meinen, er war ernsthaft verletzt und wollte keinen Arzt mehr? "Sie nervt und ich werde auch so gesund. Und ich will darüber nicht diskutieren." Verwirrt beobachtete ihn der Key, gab dann jedoch ein akzeptierendes Brummen von sich.
Tatsächlich erholte sich Soren sehr schnell. Bestand seine Hauptbeschäftigung in der ersten Woche fast nur aus Schlafen, so wurde er bald unruhig. Balder war nicht sonderlich gesprächig und er hatte auch eigentlich kein Bedürfnis nach Unterhaltungen. So begann er Balders Räume zu erkunden. Irgendwann wurde es dem Key zu nervig, ständig seine Bastelarbeiten aufzuheben und er beschloss, etwas gegen Sorens Unruhe zu unternehmen. Der blinde Mann saß gerade im Wintergarten, als die Diener es brachten. Balder kam in den Garten und sah kurz zu, wie der andere mit seinen Fingern auf der Lehne seines Liegestuhls herumtrommelte.
"Was ist?", knurrte Soren schließlich. Der Verletzte bemerkte ihn in letzter Zeit ziemlich schnell, seine anderen Sinne schienen den Verlust der Sehkraft langsam auszugleichen. "Ich habe etwas für dich", sagte Balder zögernd. Jetzt war er sich nicht mehr sicher, ob die Idee gut war. Soren sah mit seinen verbundenen Augen weiter in seine Richtung und wartete. Balder stellte den CD-Player ab und setzte sich neben seinen Holder auf den Boden. "Ein Recorder und Hörbücher" sagte er schlicht. Sorens Stirnmuskeln zuckten, doch der Verletzte schaffte es das Stirnrunzeln zu unterdrücken. "Was sind Hörbücher?", fragte er ein bisschen neugierig. "Vorgelesene Bücher. Wenn sie dir nicht gefallen, kannst du auch Radio hören." Balder hielt inne. Ob Soren Bücher mochte? Er wusste es gar nicht. Soren war nicht gerade freigiebig, was Informationen über seine eigene Person anging. "Hm", Soren beugte sich etwas zur Seite, hin zu Balder. "Was für Hörbücher sind es?" Balder räusperte sich und nahm den Packen CDs, den ihm der Diener mitgebracht hatte. Langsam las er die Titel vor. "Sagt mir alles nichts", erklärte Soren. "Such du etwas aus." Etwas überfordert schaute Balder auf die CDs und nahm schließlich die rote mit den altertümlich gekleideten Personen darauf. Er hatte keine Ahnung, worum es in diesem "Vom Winde verweht" ging, aber wenn es Soren nicht gefiel, konnte er es immer noch wechseln. Er legte die erste CD ein und schaltete das Gerät an. Dann verließ er den Wintergarten und setzte sich an seinen Tisch. Im Hintergrund hörte er die Lesung an und wurde immer verlegener. Eine Schnulze und jetzt wo er die Namen hörte, konnte er sich auch vage an einen Film erinnern, den Alec mal gesehen hatte. Die Hauptfigur war grauenvoll dumm, aber Soren schien sich zu amüsieren. Immer wenn dieser "Butler" auftauchte, erklang Lachen aus dem Wintergarten. Soren schien den Kerl zu mögen und er hatte ein schönes Lachen. So warm und rückhaltlos.
Am nächsten Tag kam der Friseur. Sorens Haare wurden gestutzt und in Form gebracht, der schwarze Haarschopf kam jetzt viel besser zur Geltung. Kaum war der Friseur gegangen, kam der Diener, der bereits am Tag von Sorens Ankunft in Balders Räumen aufgetaucht war. Der Key öffnete ihm die Tür und sah ihn für einen kurzen Moment lang erschrocken an, dann bat er ihn hinein. "Wo ist er?", kam es ohne Begrüßung. "Im Wintergarten", erklärte Balder etwas überrollt. Der Tonfall des Dieners ließ ihn frösteln. "Hat er irgendetwas erklärt?" Balder verstand erst nicht, was der Diener meinte, dann fiel ihm der Stormausfall wieder ein, er schüttelte den Kopf und der Mann ging ihn ignorierend in sein Arbeitszimmer. Balder folgte ihm rasch und sah wie Soren auf die Ankunft des Dieners reagierte. Wie schon am Vortag saß der Holder im Liegestuhl und der Recorder lief, allerdings war diesmal das Radio an.
Plötzlich wurden Sorens Gesichtszüge wachsamer. Er schien die fremden Schritte zu vernehmen. Der Diener erklärte mit ruppigen Worten seine Person und seine Stellung im Palast. Soren griff mit der Hand nach dem Recorder und schaltete ihn aus. Die plötzliche Stille ließ Balder den Atem anhalten. "Und was kann ich für Sie tun?", fragte Soren erstaunlich selbstbewusst. "Wir wüssten gern, wie Sie in den Palast gekommen sind." Der Diener klang nicht gerade höflich. "Das...", Soren machte eine winzige Pause, vermutlich um des Effektes Willen. "...ist meine Sache." Etwas verblüfft hielt der Diener inne, mit so einer Reaktion hatte er wohl nicht gerechnet. Balder beobachtete bei dem folgenden Gespräch fasziniert Soren. Der Mann war erstaunlich. Er lenkte den Diener des Palastherrn mit einer Leichtigkeit von dem ungeklärten Auftauchen ab und umschiffte auch jede andere Frage, die seine Person betraf. Erst als es um den Key ging, zeigte er echtes Interesse.
"Jetzt verstehe ich, was du mit 'Qualität und Preis' meintest", sagte Soren lachend, als der Mann gegangen war. "Du bist ziemlich teuer." Balder antwortete nichts darauf. Soren lächelte hintergründig. Was fragte er sich jetzt? Was ging ihm durch den Kopf? /"Die Qualität und der Preis."/, hatte er gesagt. Fragte sich Soren, was für eine Qualität. Balder starrte ihn hemmungslos an. Der Mann war immer noch verdammt dünn, was ihn irgendwie verletzlich wirken ließ. Wie er wohl aussah? Bevor die Verbände angelegt waren, hatte Balder nur wenig auf das Gesicht geachtet und wenn, dann hatte sich sein Augenmerk meist auf die Wunden gerichtet. Seine Züge mussten sehr scharf geschnitten sein, sein Kinn war kantig, das würde gut zusammenpassen. Plötzlich wurde der Key aus seiner Betrachtung gerissen, als Soren sich wieder niederbeugte und den Recorder anschaltete.
"Gib mir mal die dritte CD von 'Vom Winde verweht'", bat er und sah genau in die Richtung, in der Balder sich befand. Ein schwaches Gefühl der Anerkennung durchströmte Balder, als er der Bitte nachkam. Als die gleichmäßige Stimme des Erzählers erklang, verließ der Key wieder leise den Wintergarten und arbeitete an der Kette weiter, die er heute angefangen hatte.
Gelegentlich stand Balder auf und ging hinüber, er sah in den Garten und schaute nach, ob Soren etwas brauchte. Aber der Mann lag immer nur im Stuhl und trommelte mit den Fingern oder wippte mit dem Fuß auf und ab. Nach dem vierten oder fünften Mal und während der letzten CD von "Vom Winde verweht" fiel Balder etwas ein. Er kramte in seinen Regalen herum und fand nach einer Weile was er suchte. Ein Massageball. Alec hatte ihn mitgebracht. Nachdenklich drückte ihn der Key kurz und ging dann ins Badezimmer. Mit warmen Wasser, Seife und einer Bürste reinigte er den Ball und füllte dann noch einen Glaskrug mit Wasser. Sorens Glas war leer gewesen. Mit Krug und Ball ging er zurück zum Wintergarten. Er füllte Sorens Glas neu und der andere Mann trank. Als er das Glas abgestellt hatte, reichte ihm Balder den Ball. Soren betastete ihn grübelnd.
"Was ist das?", fragte er schließlich. "Ein Massageball", antwortete Balder. "Zum Üben", fügte er ganz entgegen seiner üblichen Einsilbigkeit hinzu. "Hm", Soren betastete den Ball nachdenklich und drückte ihn probeweise. "Aber nicht nur meine Fingermuskeln sind außer Übung." "Ich werde sehen was ich tun kann", versprach der Key und ging wieder zu seiner Arbeit.
Als die CD endete, herrschte wieder die gewohnte Stille in Balders Räumen. "Das Leben ist komisch", erklärte Soren aus dem Garten. "Er macht alles für diese Frau und als sie ihn endlich liebt, sind seine Gefühle weg." Balder sah hinüber zu dem Mann in dem Liegestuhl. Soren knetete an dem Ball herum. Er antwortete nicht auf Sorens sinnende Bemerkung, aber das schien den anderen Mann nicht zu stören.
Der Verletzte saß noch fast zwei Stunden grübelnd im Wintergarten, bis er sich endlich erhob und an der Wand entlang tastend ins Schlafzimmer ging. Balder unterdrückte jegliche Hilfsangebote. Als er dem Mann später folgte, fand er ihn nur in Hose und tief schlafend im Bett vor. So leise er konnte setzte er sich auf die Bettkante und betrachtete seinen Holder. Im Schlaf sah er friedlich aus, wach war er eher bissig. Allerdings nicht bösartig, jedenfalls nicht zu ihm, mit dem Diener des Palastherrn war er reichlich ruppig umgegangen. Wenn er gesund war, würde er sicher gehen und den Schlüssel verkaufen. Er sollte sich also nicht an seine Anwesenheit gewöhnen. Balder legte sich neben Soren aufs Bett und sah dessen ruhigen Atemzügen zu, bis ihm selbst die Augen zufielen und er eine Weile döste.
Der Schneider war bei weitem anstrengender als der Friseur. Soren hatte das Gefühl sich die Beine in den Bauch zu stehen. Als der Kerl endlich ging, taumelte er nur ins Bett und blieb heftig atmend darin liegen. Nach einem Moment des Ausruhens wurde er plötzlich unruhig und nach kurzem Nachdenken fiel ihm ein weshalb. Wo war Balder? Soren hob den Kopf und lauschte, aber er konnte den anderen Mann nicht wahrnehmen. Er wollte schon den Mund öffnen und nach dem Key rufen, als er die leisen Schritte des anderen Mannes vernahm. Erleichterung machte sich in ihm breit und er fragte: "Wo warst du?" Balders Schritte stockten und nach einer Pause antwortete er: "Ich habe den Schneider hinaus gebracht." Ach so, natürlich. Soren schüttelte innerlich über sich selbst den Kopf. Das hätte er sich denken können, wenn er denn nachgedacht hätte. Er sollte nicht so anhänglich sein. Er musste auch ohne Balder zurechtkommen.
"Warum hat man dich eigentlich Balder genannt?", fragte er dann plötzlich und überraschte sich selbst mit dieser Äußerung. Stille. Ob der andere antworten würde? "Weiß nicht", kam es schließlich von dem Key. "Vielleicht hatte deine Mutter ein Faible für die Germanen?", spekulierte Soren weiter. Balder antwortete nicht. Der Key schien ja mal wieder in schwatzhafter Stimmung zu sein. "Wie wäre es mit einem Spaziergang?", schlug Soren vor. Heute überraschte er sich selbst mit seinen Gedankensprüngen. "Hm?" Balder klang verwirrt. "Um meine Kondition zu stärken", erklärte sein Holder genauer. "Wir hatten gestern darüber gesprochen, dass ich Übung brauche. Hat dieser Palast einen Garten?" Er konnte regelrecht hören, wie es in Balder arbeitete, dann kam die Antwort. "Das ist möglich, aber erst, wenn du nicht mehr keuchst, nur weil du die Wohnung durchquert hast." Soren musste grinsen. "Ja sicher.... Wenn du das so anordnest." "Hmpf." Soren lachte auf, als er sich das Gesicht des Mannes bei diesem Geräusch vorstellte, er ließ sich zurück ins Bett fallen und lachte hysterisch.
Mit einem Mal waren da Hände, die ihn kitzelten und Soren versuchte diesem Angriff zu entkommen. Er konnte nicht aufhören zu lachen und nun wurde es von erschrockenem Keuchen und Kichern unterbrochen. Er wand sich auf dem Bett und versuchte die Hände abzuwehren. Er erwischte langes seidiges Haar und zog daran. Ein erschrockener Laut von Balder folgte und dann schlossen sich große Hände um Sorens Handgelenke. Gleich eisernen Fesseln hielten sie seine Hände fest und Soren tickte aus. Er schrie auf und schlug wild um sich. Augenblicklich wurden seine Arme losgelassen. Balders Wärme war weg, der Key musste auf Abstand gegangen sein. Entsetzt von seinem eigenen Ausbruch presste Soren die Lippen aufeinander und rollte sich auf dem Bett zusammen. Er zitterte und schaffte es einfach nicht sich soweit zu beruhigen, dass er damit aufhören konnte.
"Tut mir leid", flüsterte Balder aus einiger Entfernung und zaghaft strich eine große warme Hand über Sorens Oberschenkel. "Ich habe nicht daran gedacht."
Soren atmete heftig ein und aus, versuchte sich zu entspannen und zu antworten. Er wollte weinen, konnte es aber nicht und so kamen nur trockene Schluchzer aus seinem Mund. Balder verstärkte die Streicheleinheiten, vermied es aber ihn an den Armen oder den Händen zu berühren. Soren wollte, dass er ging, konnte es ihm aber nicht sagen aus Furcht, dass der Key dann tatsächlich ging. Seine Gedanken und Gefühle wirbelten verworren herum.
"Es ist ... okay", brachte er schwach und zwischen zwei Schluchzern hervor. "Nein", widersprach Balder. "Ist es nicht. Es tut mir leid. Ich wollte dir nicht wehtun." Dann war der Key plötzlich neben ihm im Bett und Soren konnte nicht anders, als sich an ihn zu drücken, sich an ihn zu klammern. Seine Tränen tränkten die Wattebäusche unter dem Verband.
Stunden später, wie es ihm schien, lag er noch immer in Balders Umarmung und halb auf dem Key. Er weinte nicht mehr, fühlte sich aber nach diesem Ausbruch erleichtert. Der Key streichelte ihn noch immer mit einer Hand über die Hüften, während die andere fest um Sorens Taille geschlungen war und verhinderte, dass er von der großen Gestalt Balders hinunter rutschen konnte. Der große Mann war noch immer so warm, wie es Soren in Erinnerung gehabt hatte. Sein Gesicht fing an etwas zu schmerzen, weil er mit den Wundflächen an Balders Brustkorb lag, aber er wollte sich eigentlich nicht bewegen, er wollte weiter festgehalten werden. Langsam schaltete sich Sorens Gehirn wieder an. Er registrierte die Sicherheit, die er empfand und schalt sich einen Narren. Er bemerkte den Genuss, den er bei Balders Berührung verspürte und dieses entsetzliche Verlangen sich einfach zu entspannen, sich fallen zu lassen, doch sein Instinkt sprach dagegen. Alle Erfahrungen seiner Vergangenheit stellten sich gegen den Drang sich gehen zu lassen und so rückte er schließlich von dem Key ab. "Danke", murmelte er und stand vom Bett auf. Um seine Selbstbeherrschung ringend tastete er sich zum Badezimmer durch.
/Verflucht!/ Soren stand vor dem Waschbecken und tastete nach dem Hahn. Er drehte ihn auf, temperierte das Wasser und hielt die hohlen Hände darunter. Abrupt hielt er inne und atmete heftig aus. Er konnte sich nicht das Gesicht waschen. Die verdammten Bandagen und Pflaster. Wütend begann er an dem Verband zu zerren und schließlich begannen die Bandagen sich zu lösen. Es tat weh. Pflaster, Kompressen und Binden fielen ins Waschbecken und dann sah Soren in den Spiegel. Seine Augen tränten und alles war verschwommen, ohne Konturen und hatte zu grelle, zu aufreizende Farben. Er starrte die Fratze an, die wohl sein Gesicht darstellte und presste dann die Augen wieder zusammen. Die Schmerzen waren, während er die Augen offen gehabt hatte, schlimmer geworden. Aufstöhnend legte er sich die Hände über die Augenlider. Was sollte er jetzt tun? Er konnte unmöglich neue Verbände anlegen. Er wusste ja nicht mal, wo das Verbandsmaterial war. Soren stöhnte innerlich. Er hatte nicht nachgedacht, bevor er gehandelt hatte. Wieder mal. Zähneknirschend rief er schlussendlich nach Balder und ließ sich von diesem neue Verbände anlegen. Der Key sagte nichts während dieser Prozedur und Soren war zum ersten Mal sehr froh über die Schweigsamkeit des Mannes.
Als erstes muß ich mich beschweren. Das Ende ist sehr unbefriedigend. ^^ Du hast mich wirklich geschockt. Obwohl ich nicht der Weichspülermensch bin, war ich ziemlich überrascht und auch ein bißchen traurig. Aber du hast es geschafft, das mir Loki das erste Mal sympathisch war und mir eine neue Sicht der Dinge aufgezeigt. Und, ich glaube es war das dritte Kapitel, da beschlich mich bereits die Ahnung, was es mit der Vergangenheit der beiden auf sich hat. Insgesamt eine schöne Geschichte, dir mir gut gefallen hat und einem überraschendem Ende. Und dabei lese ich nie Key-Fictions. ^^
Antwort des Autors Scarabae (29/05/09 21:26): Hallo, oha... du hast die Geschichte gefunden, die ich in der Shoutbox meinte. Und du hast trotzdem Feedback hinterlassen. Danke! Schön, dass die die Geschichte gefallen hat und sie dich dazu brachte Loki anders zu sehen. Ein großes Kompliment. Scarabae
ReiRei-chan 03/09/10 00:06 Schreibe gerade einen Beitrag für den Adventskalender... musste allerdings von der ursprünglichen Idee abkommen, schade Pantoffel 02/09/10 22:27 @Rei: woah *__* rihaij 02/09/10 22:14 Guten Abend! ReiRei-chan 02/09/10 15:05 @Pantoffel: Bald gibt es ein neues Kap.. bin gerade fleißig beim schreiben dran xD Witch23 01/09/10 20:55 *o/* gratuliere Schmetterling. Und den Eignungstest schaffst du auch *Daumen drückt* carrabas 01/09/10 20:47 @ Schmetterling:
Glückwunsch! split 01/09/10 16:59 das klingt nach nem guten plan. ich drück dir alle daumen Schmetterling 01/09/10 16:51 Jetzt muss ich nur noch den Eignungstest gut machen, dann habe ich den Studienplatz in der Tasche! *freu* Schmetterling 01/09/10 16:49 auf der Liste gefunden habe... Schmetterling 01/09/10 16:49 Hmm, dazu ist es zu kalt. Aber eine Auszeit gönne ich mir jetzt definitiv! Ich habe erst gemerkt, wie die Anspannung der ganzen letzten Woche abgefallen ist, als ich das Ergebnis neben meinem Namen